Efeu, das mystische Immergrün.



Efeu, Hedera helix. Der Name klingt schon wie ein Zauberspruch. 
Die Immerwährende Pflanze folgt mir auf Schritt und Tritt und so habe ich sie kennengelernt.
 Wegen ihrer Giftigkeit habe ich lange Abstand von ihr genommen, doch seitdem ich ihre Schönheit und Nützlichkeit erkannt habe, liebe ich sie.


Vor einem Jahr kam eine Freundin zu Besuch, die ein Rezept mitbrachte für eine Salbe mit Efeu, die gegen Cellulitis helfen soll, also das Bindegewebe straffen. Ich wusste bis dahin nichts über diese Anwendung von Efeu, doch für äußerliche Zwecke konnte ich mir durchaus vorstellen diese Pflanze selbst du verarbeiten. 
Die Begegnung mit dem Efeu ist für mich mystisch, er ist so allgegenwärtig im Wald und in seinen Erscheinungsformen zahlreich. Die Blattformen und Wuchsarten  variieren stark, aber er ist immer unverkennbar wegen seinem Glanz und seiner wunderschönen dunkelgrünen Farbe. 
Die hergestellte Salbe wurde auch schön grün, ich habe zwar keine Cellulitis, aber das Gefühl, dass dieses Efeu-Öl meine Durchblutung fördert und bei regelmäßiger Anwendung über einen längeren Zeitraum zu strafferer Haut führt. 



Man sieht ihn überall im Wald, als Bodendecker, als Kletterpflanze an Bäumen. Durch seinen invasiv aussehenden Wuchs-Charakter dachte ich mir immer er würde den Bäumen schaden, doch nun habe ich herausgefunden, dass er nur kleineren Bäumen schadet, da er ihnen, wenn er in die Baumkrone gelangt das Licht wegnimmt. 
Bei größeren, stärkeren Bäumen besteht diese Gefahr nicht, da der Efeu in Kronennähe eher im Stammbereich verweilt und von dort aus genügend Licht aufnehmen kann. 
Er ist ohnehin sehr flexibel was die Lichtbedingungen angeht, er kann im Schatten und in der Sonne wachsen, im Sommer wie im Winter. Er wächst immer und sorgt für ein schönes grün beim Waldspaziergang, auch an grauen Wintertagen.

Seit Jahren trage ich zu besonderen Anlässen und Feiern manchmal einen Kranz aus Efeu und fühlte mich beschützt von ihm auch wenn seine Energie, so nah am Kopf getragen etwas intensiv ist. Ich las nun vor Kurzem, dass der Efeu anscheinend auch dem griechischen Gott Dionysos geweiht sein soll und somit wohl schon länger mit Orgien und Rausch assoziiert wird. 



Nun kommen wir zu den Inhaltsstoffen des Efeus, wobei die enthaltenen Saponine (z.B. Hederacosid) ein sehr breites Anwendungsgebiet haben. Saponine sind seifenartige Substanzen, die seifenähnliche Eigenschaften besitzen also können wir den Efeu zu Waschmittel verarbeiten indem wir ihn zerkleinert und einfach über Nacht in Wasser einlegen (am besten mit heißen Wasser aufgießen). Spätestens nach 24 Stunden sollte der Auszug einen Schaum an der Oberfläche bilden, wenn man das Behältnis schüttelt. Dann ist das Waschmittel fertig zum abseihen und kann nach Belieben noch mit ein paar Tropfen ätherischen Ölen verfeinert werden, für meine Wäsche mag ich gerne Minz- oder Lemongrassöl. Dunkle und bunte Wäsche lässt sich super damit waschen.
Ich habe auch gelesen, dass manche Leute ein flüssiges Spülmittel für Geschirr herstellen, selbst habe ich das aber noch nie ausprobiert...





Die Triterpensaponine, die so eine tolle schäumende und reinigende Eigenschaft haben, sind aber auch der giftige Inhaltsstoff des Efeus. Auch das Falcarinol, das bei manchen Menschen schon allein beim Hautkontakt mit dem Efeu einen Ausschlag auslöst, ist giftig. So sollte jeder, der den Efeu gerne verarbeiten möchte erst einmal abklären ob er/sie so eine Hautreaktion bekommt. Bei Hautreizung oder Bläschenbildung sollte schnell mit lauwarmem Wasser nachgespült und anschließend gekühlt werden, natürlich ist für solche Menschen auch die Verwendung von Efeu als Waschmittel ausgeschlossen.



Nun kommen wir zur Anwendung des Efeus bei Husten und Bronchialerkrankungen. Laut Überlieferungen hat anscheinenden ein französischer Arzt im 19. Jahrhundert die Beobachtung gemacht dass Kinder, die ihre Milch aus Efeuholzschüsseln tranken weniger an Husten erkranken wie andere. Daraus folgerte er, dass der Efeu eine schützende Wirkung auf die Bronchien habe, und nach vielen klinischen Studien und Untersuchungen können wir heute diese Annahme bestätigen. Es sind wieder einmal die Saponine, denen wir diese Wirkung zu verdanken haben. Vor Allem das Hederacosid C und das alpha Herderin wirken so, dass sich der festgesetzte Schleim verflüssigt und löst, die Bronchien entkrampfen insgesamt. 
Daher wird die Heilpflanze überwiegend zur Therapie von Atemwegsinfekten wie Husten, Erkältung, Bronchitis, Keuchhusten, aber auch chronisch-entzündlichen Erkrankungen der Bronchien wie Asthma verwendet. 
Es gibt viele Efeu Präparate in der Apotheke zu kaufen, da der Wikrungsmechanismus dieser Pflanze sehr gut erforscht ist. Für selbst hergestellte Hustensäften oder Tinkturen finde ich vergleichsweise wenige Rezepte in Literatur und Internet, was wohl auf die giftige Wirkung dieser Pflanze zurückzuführen ist. 
Ich würde es mich auch nicht trauen ein solches Mittel herzustellen ohne genaue Anweisungen von jemandem, der Erfahrung mit der Verarbeitung von Efeu für innerliche Zwecke hat. 
Aber vielleicht begegnet mir ja bald ein altes Mütterlein, das ein Rezept von ihrer Großmutter geerbt hat, man weiß ja nie....




Fotos und Text ©Cheyenne Vogel

 Quellen: https://www.baumpflegeportal.de/aktuell/efeu_baeume_kaputt/




Kommentare

Kommentar veröffentlichen

Beliebte Posts